Das Ohr - Eines der empfindlichsten Organe

   

"Nicht sehen können trennt von den Dingen, nicht hören können von den Menschen."

Immanuel Kant, Philosoph

 

Das Ohr ist eines der empfindlichsten Organe des menschlichen Körpers. Es wandelt minimale mechanische Druckschwankungen in elektrochemische Energie um und leitet sie als Nervenimpuls an das Gehirn weiter. Es dient der frühzeitigen Warnung vor Gefahren, ermöglicht die Kommunikation und gewährleistet die Orientierung im Raum.

Erfahren Sie hier mehr über dieses Wunderwerk der Evolution.

 
 
   
 
 
 

 

Legende
1. Hammer, 2. Amboss, 3. Steigbügel, 4. Bogengänge des Gleichgewichtsorgans, 5. äußerer Gehörgang, 6. Trommelfell, 7. Schnecke, 8. Eustachische Röhre

 
 

Das menschliche Gehör dient dazu, Druckschwankungen in der Luft als Laut oder Geräusch wahrzunehmen. Solche Schwingungen bezeichnet man als Schall.

Wird das Trommelfell von Schallwellen getroffen, gibt es seine Bewegungen über die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel an die schneckenförmig gewundene, erbsengroße Cochlea des Innenohrs weiter.

 

Dort befinden sich in einer Flüssigkeit etwa 25.000 winzige Sinneshärchen. Schon das Verbiegen dieser Härchen um die Größe eines Wasserstoffatoms reicht aus, um die Energie in ein elektromechanisches Signal umzuwandeln und über die Hörnerven an das Gehirn zu senden.

 
 
 
 

 
 

Je kürzer zeitlich die Abstände der Druckschwankungen sind, desto höher wird ein Ton empfunden. Die Maßeinheit der Schwingungsfrequenz (Schwingungen pro Sekunde) ist Hertz (Hz). Der menschliche Hörbereich liegt zwischen 16 Hz und 16.000 Hertz, während er bei manchen Tieren bis 100.000 Hertz reicht.

Neben der Frequenz ist der Schalldruck entscheidend. Sein Pegel wird in Dezibel (dB) gemessen. Je höher die Dezibelzahl, um so lauter wird das Geräusch gehört. Gibt eine Schallmessung dB(A) an, so folgt sie der A-Skala und versucht, die Lautstärke gehörrichtig wiederzugeben. Sie berücksichtigt damit die Empfindlichkeit des menschlichen Ohrs.

 

Dezibel ist eine logarithmische Größe. 3 dB Unterschied sind kaum wahrnehmbar, bedeuten physikalisch aber bereits eine Verdopplung der Schallintensität. 10 dB entsprechen bereits einer Verzehnfachung, der Mensch empfindet dies jedoch nur als doppelt so laut.

 
 
 
 

 
 

Je stärker der einwirkende Schall, desto eher werden die Sinneshärchen geschädigt. Es beginnt mit Verklebungen und dem Verlust der Elastizität und endet mit dem Abbrechen der feinen Strukturen – wie Grashalme im Wind. Nach neuesten Erkenntnissen sind am Schädigungsprozess sogenannte freie Radikale beteiligt.

Die Härchen im vorderen Bereich sind zuständig für höhere Frequenzen. Da sie als erste absterben, beginnt eine Schwerhörigkeit in der Regel in diesem Frequenzbereich. Der Ausfall der Hälfte der Härchen führt noch zu keinen merklichen Hörverlusten. Eine beginnende Schwerhörigkeit wird daher oft zu spät festgestellt. Schwerhörigkeit lässt sich nicht heilen, sondern kann nur mit einem Hörgerät ausgeglichen werden.

 

Neben der Schallstärke entscheidet die Einwirkungszeit, ob eine Lärmschädigung dauerhaft wird. Bis zu einer gewissen Belastungsgrenze können sich die Härchen meist noch erholen, sofern ihnen anschließend ausreichend Ruhe gegönnt wird. Als Faustregel gilt: Eine Belastungsphase erfordert mindestens die doppelte Zeit an Ruhe.

 
 
 
 

 
 

Die Berufsgenossenschaften haben für den Arbeitsplatz ermittelt, wie lange man sich, bezogen auf den Arbeitstag, gefahrlos Lärm aussetzen kann. Auch für den privaten Bereich sollte man sich an diesen Werten orientieren!

85 Dezibel (A) - ungefährlich bis zu 8 Stunden
88 Dezibel (A) - ungefährlich bis zu 4 Stunden
100 Dezibel (A) - ungefährlich bis zu 15 Minuten
119 Dezibel (A) - ungefährlich bis zu 1 Minute

Extremer Impulslärm wie Pistolenknall, Silvesterböller nahe Ohr oder Ohrfeige aufs Ohr (> 170 Dezibel (A)) bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sofortige und dauerhafte Schädigung!

 

 

Achtung: Man merkt meist nicht, ab wann es zuviel fürs Ohr wird. Erste Warnzeichen wie ein taubes Gefühl, Klingeln in den Ohren und Kopfschmerzen sind nicht verlässlich und werden zudem gerne übergangen. Auch, wenn es viele nicht glauben wollen: An Lärm kann man sich nicht gewöhnen!

 

» Lärm-o-meter