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Eine Wachskugel schreibt Geschichte.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Lärm ein viel diskutiertes Gesundheitsthema. Die allgemeine Industrialisierung und Technisierung, aber auch die engen Wohnverhältnisse in den Großstädten gingen einher mit einer schier unerträglichen Lärmkulisse. Überall fauchten Dampflokomotiven, dröhnten Maschinen und ratterten Fahrzeuge über das Kopfsteinpflaster. Neben warnenden Gesundheitsbeamten und Medizinern wurde 1908 der Antilärm-Verein des Kulturphilosophen Theodor Lessing landesweit aktiv, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. |
 Maximilian Negwer 1872-1943 |
Maximilian Negwer und die Entdeckung einer Marktlücke.
Der aus Schlesien stammende Apotheker Maximilian Negwer hatte sich 1901 mit einer kleinen Drogerie in Berlin selbständig gemacht. Hier verkaufte er bereits erste Eigenentwicklungen wie Fleckenwasser und Hustenbonbons. Sein eigentliches Ziel war jedoch die eigene, größere Herstellung von apothekenüblichen Präparaten. Auf der Suche nach zugkräftigen Produkten stieß Negwer auf das Thema Gehörschutz und die sich dahinter verbergende Marktlücke. Denn was man sich bislang in die Ohren steckte waren entweder wirkungslose Bäuschchen aus Baumwollwatte oder unbequeme Kugeln aus Holz, Zelluloid oder Hartgummi.
Im Herbst 1907 war es dann so weit: Rund um das neuartige Gehörschutzprodukt „OHROPAX“ gründete er seine Firma „Fabrik pharmazeutischer und kosmetischer Spezialitäten Max Negwer“ in Berlin-Schöneberg. Zum vielfältigen Programm gehörten auch zeitgemäße Produkte wie Cremes, Salben, Tinkturen, Parfüms und Riechsäckchen. |
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Inspiriert durch die Irrfahrt des Odysseus.
Es mag kurios klingen, aber ausgerechnet die berühmte Irrfahrt des Odysseus gab den entscheidenden Impuls für die Erfindung von OHROPAX. Es soll um 1903 gewesen sein, als man im Bekanntenkreis von Maximilian Negwer auf die Wachskugeln in der antiken Sage stieß. Für alle, die Homer nicht parat haben, sei an dieser Stelle das 2700 Jahre alte Abenteuer kurz zusammengefasst: Odysseus und seine Gefährten wurden von der Zauberin Circe vor der Insel der Sirenen gewarnt. Wer sich von ihrem wunderschönen Gesang betören ließe, müsse sterben. Aber nicht umsonst galt Odysseus als listig. Dem Rat der Zauberin folgend, verschloss er seiner Bootsmannschaft die Ohren mit Kugeln aus Bienenwachs. Sich selber ließ er aber an den Mast binden, um den Sirenen zu lauschen und dennoch widerstehen zu können. |
 Original OHROPAX Classic
Ohrstöpsel aus Wachs |
Die Geburt von OHROPAX - eine sagenhafte Erfindung.
Die Odysseus’schen Kugeln aus Bienenwachs erwiesen sich als wenig brauchbar, denn sie zerfielen leicht und reizten zudem die Haut. Erst als man Baumwollwatte als Trägermaterial hinzunahm und darin eine Mischung von verschiedenen, hautfreundlichen Wachsen einarbeitete, war die Rezeptur perfekt: die weltweit ersten, bequem zu tragenden und rückstandsfrei wieder entfernbaren Ohrstöpsel waren geboren.
Ein Renner, wie sich in den Folgejahren herausstellen sollte.
Genial wie das Produkt selbst war auch die Namensgebung: „Ohro-pax“ steht deutsch-lateinisch für Ohr-Frieden.
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 Die erste Dose (1908) |
Die erste Packung "OHROPAX Geräuschschützer"
Im Herbst 1908 begann der Verkauf von OHROPAX in Berliner Sanitätsgeschäften und Kaufhäusern. Die charakteristische Blechdose zum Preis von 1 Mark enthielt 6 Paar Wachskugeln und sollte das Erscheinungsbild des Produktes für viele Jahrzehnte prägen.
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 Armeedose (1917) |
OHROPAX rettet das Gehör zahlloser Soldaten"
Zu erster größerer Bekanntheit gelangte OHROPAX mit der Einführung beim Militär im Jahr 1917. Die Wachskugeln standen in einer runden 3-Paar-Armeedose sowohl der kämpfenden Truppe als auch im Lazarett zur Verfügung.
"Gegen die Schallwirkung des Kanonendonners, für Verwundete und Kranke und Sanitätspersonal, beim Schwimmen, gegen Eindringen des Wasser, für Luftschiff, Flugzeug und Automobilbegleitung. Für Artillerie, Kriegsschiffe, im Biwak und Eisenbahnverkehr."
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 Franz Kafka (1883 - 1924) |
Franz Kafka, ein begeisterter OHROPAX-Benutzer
Der Prager Schriftsteller Franz Kafka war bekannt für sein ausgeprägtes Ruhebedürfnis. Seit 1915 verwendete er OHROPAX regelmäßig.
"So viel Ruhe, wie ich brauche, gibt es nicht oberhalb des Erdbodens" und "ohne OHROPAX bei Tag und Nacht ginge es gar nicht", gesteht er in einem Brief an seinen Freund Robert Klopstok am 24.7.1922
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 Ohrmodell für Apotheken (1930) |
Um 1930: Werbung wird großgeschrieben
OHROPAX nahm einen kontinuierlichen Aufschwung. 1924 vergrößerte sich die Firma und zog in das nahe Potsdam um. Mit OHROPAX Badewolle und OHROPAX Windwolle kamen weitere Ohrschutz-Produkte hinzu.
Eine breit angelegte Werbekampagne in Zeitungen, Zeitschriften und Apothekenschaufenstern sorgte ab 1928 für eine erheblich Steigerung des Bekanntheitsgrades. Gegenüber der inzwischen zahlreich gewordenen Konkurrenz konnte sich OHROPAX so erfolgreich behaupten.
Auch im Ausland wurde OHROPAX ein Verkaufsschlager.
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 Blechdose (1974) |
Aufschwung in Zeiten des Wirtschaftswunders
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Frankfurt/Main und kurz darauf nach Bad Homburg verlegt. Schon Mitte der 1950er Jahre konnten die Verkaufszahlen der Vorkriegsjahre übertroffen werden. Und es ging weiter aufwärts. Als Verpackung diente zunächst die altbekannte, fast unveränderte Blechdose. Auch in der DDR wurde OHROPAX weiterhin angeboten, hier jedoch aus der Produktion eines volkseigenen Betriebes.
Mitte der 1970er Jahre erhielt die Blechdose ein modernes Design. In den 1980er Jahren wurde sie schließlich durch eine Dose aus Kunststoff ersetzt.
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 Das Firmengebäude in Wehrheim |
OHROPAX heute
OHROPAX ist längst zu einer großen deutschen Marke aufgestiegen. Und noch immer sind die klassischen Wachskugeln das Hauptprodukt des inzwischen in Wehrheim/Taunus ansässigen Familienbetriebes. Mit etwa 30 Mitarbeitern werden dort, unter Leitung eines Enkels des Firmengründers, jährlich über 30 Millionen der kleinen, ruhestiftenden Ohrstöpsel hergestellt. Natürlich werden die Kugeln nicht mehr wie früher per Hand gerollt, sondern man vertraut heute auf modernste Technik.
Ohrstöpseln aller Art und anderen Gesundheitsartikel ergänzen die aktuelle Produktpalette. |
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